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Was sexueller Missbrauch ist, habe ich ja
schon auf der letzten Seite ausführlich Erläutert. Nachdem
ich oft gefragt worden bin möchte ich hier speziell auf die
Folgen von sexuellem Missbrauch eingehen. Sie sind sehr
vielfältiger Natur. Mit der Zeit möchte ich auf dieser
Seite ein möglichst vollständiges Verzeichnis der Folgen
und Anzeichen zusammentragen. Ich möchte dazu auch noch
einiges von mir zum SMB sagen, Dinge die mich bewegen, die
ich erfahren habe von anderen Überlebenden. Zum Teil stellt
es meine persönliche Meinung dar. Sie kommt aber nicht von
ungefähr, sie wurde gebildet von meinen Erfahrungen, die
ich sammeln musste in meinem Verarbeitungsprozess. Ich werde
dazu auch die Folgen nennen, die der SMB bei mir hatte und
den ich bei anderen Opfern gesehen habe.
Die einzelnen Folgen können zum größten
Teil natürlich auch aus anderen Gründen entstanden sein.
Sie sind nicht unbedingt ein Hinweis auf einen Missbrauch.
Hinweise auf einen Missbrauch ergibt erst die Vielzahl von
ganz bestimmten Symptomen und Verhaltensmuster bei den
einzelnen Menschen. Wie bei den Tätern steht es den Opfern
auch nicht einfach auf die Stirn geschrieben, dass sie
missbraucht wurden. Die Feststellung eines Missbrauchs
erfordert viel Einfühlungsvermögen, Erfahrung im Umgang
mit Opfern. Auch die Vernachlässigung eines Kindes kann zu
den genanten Folgen führen, ohne dass ein sexueller
Missbrauch vorliegt. Auch andere traumatisierende Ereignisse
(Unfälle, schwere Erkrankungen usw.) führen zu den
genannten Folgen. Grade durch den 11. September ist die
Folgeerscheinung PTBS erst so richtig bekannt geworden.
Viele der Feuerwehrleute, die im Einsatz waren, sind schwer
traumatisiert worden und leiden unter Flashbacks, Psychosen,
Depressionen und mehr. Und sicherlich sind sie nie
missbraucht worden. Interessanterweise hat auch die
Überbehütung eines Kindes (in Watte packen, alles
abnehmen) ähnliche Folgen. Diese Kinder entwickeln oft
Psychosen und Wahnvorstellungen.
Was anders ist es natürlich, wenn das
Kind direkt nach dem Missbrauch sich den Eltern oder einer
anderen Vertrauensperson offenbart. Oft sind dann noch
eindeutige Spuren feststellbar und schnelles Handeln ist
erforderlich. Um so schneller der Missbrauch unterbunden
wird und das Kind adäquate Hilfe bekommt, um so besser.
Jedes zögern in solch eindeutigen Fällen schadet dem Kind
enorm. Besonders dann, wenn man erst mal ungläubig ist und
den Erzählungen kein Glauben schenkt oder gar mit Sprüchen
kommt wie: Kann doch gar nicht sein, wird doch nicht so
schlimm gewesen sein und ähnlicher Quatsch. Heute gibt es
in fast jeder größeren Stadt eine entsprechende
Hilfsorganisation die ihre Hilfe anbieten. Im Zweifelsfall
sollte man sich trotzdem gerade an solche Organisationen
wenden und nachfragen, was man tun kann. Sie stehen verantwortungsvollen
Erwachsenen gerne mit Rat und Tat zur
Seite.
Es gibt sicherlich offensichtliche
Reaktionen bei Kindern, die man als Eltern oder sonstige
Angehörige sehr ernst nehmen sollte. Dazu gehören vor
allem starke Veränderungen im Verhalten, wie zurückziehen
ohne Grund, starke plötzlich auftretende Aggressionen,
auftretender Leistungsabfall in der Schule, weinen ohne
Grund, Ablehnen von üblichen Zärtlichkeiten zw. Kind und
Eltern ohne ersichtlichen Grund (pubertierende Kinder lehnen
so was oft ab, besonders Jungs ist es peinlich), seltsames
sexuelles Verhalten. Aufgabe der normalen Eltern sollte es
immer sein, ihr Kind so zu erziehen, dass es weiß, dass es
in solchen Fällen reden kann und darf, sogar muss. Ein
normal entwickeltes Kind weiß instinktiv, dass ein
Missbrauch nicht richtig ist. Nur muss ein gesundes
Vertrauensverhältnis zw. Eltern und Kind herrschen. Das
Kind wird dann von ganz allein zu den Eltern gehen und
erzählen. Diese Verhaltensweisen können natürlich auch
auf andere Probleme hinweisen, wie z. B. Gewalt an Schulen.
Aber auch hier sind die Eltern gefordert. Eine Rangelei auf
dem Schulhof benötigt sicher noch kein Eingreifen. Aber
wenn es um Erpressung und offensichtliche Verletzungen geht,
sollten die Eltern sich unbedingt drum kümmern. Auch ist im
das Alter eines Kindes mit zu berücksichtigen. Ein 2
jähriges Opfer reagiert mit anderen Signalen als ein 12
jähriges Opfer. Ich gehe mal davon aus, dass ein kleines
Kind eher sich direkt äußert, wobei es das Problem hat,
dass es überhaupt nicht weiß, was da mit ihm passiert. Es
wird über Schmerzen klagen und mehr weinen als sonst. Unter
umständen wird es auch zeigen, wo es ihm wehtut. Man muss
aber dabei bedenken, dass kleine Kinder oft nicht dazu in
der Lage sind, den Schmerz zu lokalisieren. Klare Ängste
vor bestimmten Orten, wie das elterliche Schlafzimmer
können hier auch ein wertvoller Hinweis sein. Ich selber
habe mich in den jungen Jahren häufig versteckt und auch
auf Rufe der Erwachsenen kaum reagiert. Später war ich ein
ziemlich verschlossenes Kind. Spielte ungern mich
gleichaltrigen Kindern, war lieber allein, man sah mir an,
dass ich ständig irgendwie wütend war (weiß ich von
Zeugen). In der Schule hatte ich zumindest eine ganze Weile
massive Probleme. Auffällig würde ich sagen, war meine
Entwicklung in Deutsch. Nach der Einschulung würde ich
sagen, waren meine Noten durchschnittlich bis halbwegs gut.
Nach dem 2. Missbrauch mit 9 stürzte ich ab. Deutsch:
ungenügend! Ich musste damals sogar von meinen Eltern
zurückversetzt werden (es war die richtige Entscheidung).
Im letzten Schuljahr war ich auf fast 1 in Deutsch.
Aufsätze gut bis sehr gut, Diktate mal 1/2 Fehler, mal 1
Fehler. Dazwischen fand aber der letzte MB statt. In der
Handelsschule rutschte ich daher wieder schnell ab und
musste das erste Jahr wiederholen. Auch in Deutsch wurde ich
wieder schlechter.
Ich rate nur Jedem/Jeder beim Verdacht auf
SMB sich an entsprechende Hilfsorganisationen zu wenden. Bei
einem reinen Verdacht sollte man sich unbedingt absichern
und sich der Hilfe von Fachleuten versichern. Denn eine
falscher Verdacht kann auch viel Schaden anrichten und einem
Kind schwere Schäden zufügen. Es ist belegt, dass man
einem Kind durchaus einen Missbrauch auch einreden kann. Die
Folgen sind dann durchaus ähnlich. Und wilde Vermutungen
über den Täter sind auch gefährlich. Oft nennt das Kind
aus Angst einen falschen Namen.
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