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Infos über Missbrauch


Folgen des SMB

Seelische Folgen - Psychische Folgen


Ich werde mich hier auf die wichtigsten Folgen beschränken. Die Diagnosen sind oft in diesem Bereich oft sehr schwierig. Fehldiagnosen kommen leider häufiger vor. Grade MPS und Borderline sind schwierig zu diagnostizieren. Eine Diagnose sollte immer nur von einem Facharzt erfolgen und im Zweifelsfall von mindestens einem weiteren Arzt bestätigt werden. Meines Wissens sind alle genannten Folgen mittlerweile heilbar. Der Heilungsprozess ist aber fast immer zeitintensiv. Auf einzelne spezielle Folgen gehe ich im Kapitel sonstige Folgen ein. 

 

 

PTBS - Post-Traumatische-Belastungsstörung
Es handelt sich hierbei um eine Kombination vieler einzelner Symptome, die in unterschiedlicher Ausprägung auftreten. Der nachfolgende Text versucht dies allgemein zu erklären:

Ein Trauma mit der nachfolgenden Entwicklung posttraumatische r Belastungsstörungen bedeutet immer einen tiefen Einschnitt in das Leben eines Menschen. Bisherige Lebensplanungen werden durchkreuzt, wesentliche innere Überzeugungen über sich selbst, die Welt, andere Menschen und die Sinnhaftigkeit des Lebens werden zutiefst erschüttert. Symptome massiver Stressbelastungen treten auf, eine breite Palette von Störungsbildern und Beschwerden wie z. B. Somatisierungen, Ängsten, Panikattacken, depressiven Verstimmungen, Schlafstörungen, funktionellen körperlichen Beschwerden, Selbstunsicherheit, Selbstwertstörungen, Schuld- und Schamgefühlen, schweren Problemen in der Affektkontrolle und Impulssteuerung läßt sich regelhaft beobachten. Ebenso sind schwere Störungen im Bereich der beruflichen Leistungsfähigkeit, Arbeitsfähigkeit und in den Sozialkontakten die Regel. Aus Selbstheilungsversuchen der PatientInnen resultieren oft weitere Symptome, so z.B. aus dem sozialen Rückzug, den Versuchen der Selbstberuhigung durch Alkohol und Medikamente und aus selbstschädigendem Verhalten, das bis hin zu Suizidversuchen gehen kann.

Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung

  • Andauerndes Gefühl der Gefahr, Angst 
     
  • Wiederholte unausweichliche Erinnerung
    -
    Wiedererleben des Ereignisses in Gedächtnis und Tagträumen ungewollte, sich aufdrängende Bilder,   Geräusche, Gerüche und Gedanken an das Ereignis, Flashbacks 
    - Albträume
     
  • Körperliche Erregung 
    - Erhöhte Wachsamkeit (Hypervigilanz) 
    - Schreckhaftigkeit 
    - Ständige Arlarmbereitschaft ("auf der Hut sein") 
    - Reizbarkeit und Wutausbrüche 
    - Zittern, Herzrasen, Atembeklemmung, Schwindel 
    - Rasche Erschöpfbarkeit 
    - Schlafstörungen 
    - Übelkeit 
    - Reduzierter Appetit 
     
  • Vermeidung 
    - Nicht an das Geschehene denken wollen 
    - Angstauslösenden Situationen aus dem Weg gehen 
    - Erhöhtes Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit (z.B. nicht mehr allein bleiben wollen) 
     
  • Gefühlstaubheit, Niedergeschlagenheit 
    - Wie in "Watte" gepackt 
    - Verlust von Interesse 
    - Gefühl der Entfremdung 
    - Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit 
    - Misstrauen und Sich-Zurückziehen 
    - Selbstverletzendes Verhalten (SVV)
    - Erhöhte Suizidgefahr 
  • Konzentrationsschwierigkeiten 
  • Schuld- und Schamgefühle 
  • Ärger 
  • Selbstwertprobleme
  • Negative Sicht von der Welt 
  • Ungesunder Lebensstil (z.B. überhöhter Medikamenten- und Alkoholkonsum) 

Viele der genannten Symptome können auch auf andere Krankheitsbilder hinweisen, z.B. Borderline, Depressionen, Psychosen. PTBS ist eine Kombination verschiedener Einzel-Erkrankungen, die Ursache liegt im Trauma und wurden der einfacheren Zuordnung und Diagnose zu diesem Überbegriff zusammengefasst. Dabei ist es egal, woher das Trauma stammt. Neben SMB sind schwere Unglücke, lebensbedrohende Erkrankungen, Naturkatastrophen usw. der Auslöser für eine PTBS-Erkrankung. Das schwere Unglück auf der Airbase Ramstein z.B. und der 11. September waren typische Auslöser für diese Erkrankung. Kinder, die sexuell missbraucht werden, zeigen sehr oft im Erwachsenenalter grade dieses Krankheitsbild, sobald sie sich an die Geschehnisse wieder erinnern. Behandelt wird diese Erkrankung oft durch eine Kombination aus Therapie und entsprechender Medikamente (besonders in der Akut-Phase), z. B. zur Beruhigung, gegen die auftretenden Depressionen usw. Grade bei SMB-Opfern kommt oft das sogenannte SVV vor. Dafür sehe ich zwei Gründe. Zum einen fühlen die Opfer ihren Körper fast nicht mehr. Das dringende Bedürfnis, ihn wieder zu fühlen bringt sie dazu sich z.B. durch Schneiden mit einem Messer oder einer Rasierklinge selber zu verletzen. Andere Opfer schlagen sich selber, kneifen sich oder kratzen sich blutig. Ein weiterer Grund für SVV ist der innere Druck, der sich durch die aufgestaute Wut und die Hilflosigkeit aufbaut. Die Opfer sind dann nicht dazu in der Lage (fehlende Möglichkeit des Abbaues wegen zu starker Hemmungen) ihn auf normalen Weg abzubauen, nur durch SVV schaffen sie es.  
 

MPS - Multiple Persönlichkeitsstörung
Ich unterscheide zwischen Dissoziative Störungen und MPS, wobei MPS zu den Dissoziativen Störungen gehört. Ursachen und Auswirkungen sind sehr ähnlich. MPS ist wenn man so will, die ausgeprägteste Störung in diesem Bereich. Sie wird oft von Laien als Schizophrenie bezeichnet, was eindeutig falsch ist. Schizophrenie ist ein anders Wort für Psychosen, das heute schon allen wegen dem negativen Beigeschmack lieber verwendet wird. 

Bei MPS handelt es sich um ein Phänomen, dass auftritt, wenn in frühen Lebensjahren (meist unter 5 Jahren) erhebliche traumatische Erlebnisse stattgefunden haben. 

Darunter fallen: 

  • Sexueller Missbrauch 
  • Ritueller Missbrauch 
  • Sonstige wiederholte seelische oder körperliche Misshandlungen 
  • Folter 
  • Aufwachen aus der Narkose während der Operation 


Im unmittelbaren Erleben dessen, was für das Kind nicht aushaltbar wäre, kommt es zur Dissoziation, zur Abspaltung einzelner Teile des Erlebens ( Gefühl, "Bildausschnitte", Zeit...).
Dies kann soweit gehen, dass einzelne von einander unabhängige Persönlichkeiten ("alters") entstehen, die selbständig handeln, eigene Vorlieben besitzen, eigene Charaktereigenschaften, eigene Handschriften, Sprachfärbungen, Körperhaltungen, eigene Stimmlagen haben. Deshalb wurde diese "Störung" bisher als multiple Persönlichkeitsstörung bezeichnet (heute dissoziatives Identitätssyndrom).

Eine der bedeutenden deutschen Therapeutinnen auf diesem Gebiet ist Michaela Huber, die in ihrem Buch "multiple Persönlichkeitsstörung" ihre Erfahrungen niedergeschrieben hat, Ursachen aufzeigt, Zusammenhänge schildert und Wege benennt, die an ein selbstbestimmtes Leben heranführen.

Sie beschreibt die Entstehung wie folgt:

"Personen, die in einem Zeitabschnitt ihres Lebens psychisch, physisch, sexuell oder emotional schwer missbraucht wurden, müssen diese traumatischen Erfahrungen verarbeiten. Gerade der rituelle Missbrauch von Kindern ist sehr sadistisch, schmerzvoll, erniedrigend und von gehirnwäscheartigen Prozeduren begleitet.

Als Schutzmechanismus bietet sich hier der Prozess der "Dissoziation" an.

Hierbei wird die "Primärperson" zu ihrem eigenen Schutz verdrängt, es kann beispielsweise ein Gefühl der Unwirklichkeit entstehen. Zudem können für bestimmte Zeitpunkte (meist der Zeitpunkt des Missbrauchs) neue Identitäten auftreten. In dieser Zeit übernimmt eine Schutzperson, die sich bildet, die Funktion der eigentlichen Persönlichkeit an. Dieses kann sich zu funktionalisierten Persönlichkeiten/Persönlichkeitsanteilen verfestigen.

Häufig finden sich unterschiedliche Persönlichkeiten mit bestimmten Aufgaben. Diese können im einzelnen sein:

  • sich wehren (körperlich) 
  • die täglich anfallende Arbeit erledigen 
  • die Persönlichkeiten koordinieren 
  • etc. 

Bei ihnen lassen sich signifikante Unterschiede hinsichtlich

  • Gesichtsausdruck 
  • Handschrift 
  • Reaktionen auf innere und äußere Reize 
  • Stimme, Stimmmodulation und Akzent 
  • den Gehirnströmen der einzelnen Persönlichkeit 
    feststellen und diagnostizieren.

Im Laufe der Zeit bzw. bei länger andauerndem Missbrauch können sich immer weitere Persönlichkeiten bilden. Mittlerweile gibt es Berichte von Menschen, die über 400 Persönlichkeiten haben.

Zunehmend wird von Therapeutinnen, die in diesem Bereich arbeiten, beschrieben, dass hochfunktionalisierte Persönlichkeitsanteile innerhalb eines durchstrukturierten Systems von Persönlichkeiten existieren. Für diesen Bereich existiert ein Modell, dass eine Entstehung durch eine gezielte Manipulation und Programmierung im Rahmen ideologischer Kultsysteme beschreibt.

Bei einer Therapie gilt es, möglichst alle einzelnen Persönlichkeiten zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Im Gegensatz zu englischen Methoden, die als Behandlungsansatz die Zerstörung der einzelnen Persönlichkeiten haben, haben sich in Amerika Methoden zur Kontrolle und Kooperation der Persönlichkeiten (...) als erfolgreich erwiesen."

Der Übergang von "normaler" Dissoziation (dem Eindruck neben sich zu stehen, sich von außerhalb des Körpers wahrzunehmen) bis zur Entstehung eigenständiger Persönlichkeiten ist fließend.

Viele der Betroffenen haben keine oder kaum Erinnerungen an die Kindheit, weisen - auch im täglichen Leben - erhebliche Erinnerungslücken auf. Beispiele dafür sind : 

  • der Besitz von Kleidungstücken, die ihnen vermeintlich nicht gehören
  • Zeitlücken, für die es keine Erklärung gibt 
  • ständiges Suchen, obwohl Ordnung vorherrscht 
  • Dinge liegen plötzlich woanders, obwohl sie sicher sind, sie haben sie an einen bestimmten Platz gelegt 
  • Vertrautes Ansprechen vermeintlich wildfremder Menschen 
  • Wiederholtes und doch vermeintlich erstmaliges Erzählen bestimmter Begebenheiten 

Viele Betroffene begeben sich in Therapie, weil sie unter Angst, psychosomatischen Beschwerden (Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Krämpfen, Störungen des Essverhaltens oder der Verdauung) leiden, weil ihnen die Merkwürdigkeiten unerklärbar bleiben, weil sie von "Flashbacks" (Bilder aus der Vergangenheit, die blitzartig erscheinen und wieder verschwinden können) oder Stimmen die sie in ihrem Inneren hören begleitet sind. Viele verletzen sich immer wieder selbst, oder versuchen gar, das ganze System (die "Gruppe" der Persönlichkeiten") zu vernichten oder einzelne zu "bestrafen".

Die meisten fürchten für "verrückt" gehalten zu werden und so dauert es oft, bis der Alltag nicht mehr bewältigt werden kann, sich dem zu stellen, den Ursachen auf den Grund zu gehen, ein klein wenig von dem zu offenbaren, was sie quält.

Für viele beginnt damit der "Marathon" von Therapeut zu Therapeut, von Klinikaufenthalt zu Klinikaufenthalt, von Diagnose zu Diagnose. Mancher wird für schizophren gehalten und entsprechend medikamentös ohne Erfolg behandelt, notfalls, als Borderliner eingestuft oder als therapieresistent entlassen.

Wer Glück hat, findet einen der wenigen Therapeuten, der in der Lage ist, DIS / MPS zu erkennen, der bereit und offen ist, den mühevollen, schmerzhaften Weg des Betroffenen zu begleiten, seine Persönlichkeiten anzunehmen und mit den einzelnen zu arbeiten.

Leider lässt die Offenheit, sich mit dieser Problematik auseinander zusetzen, sie überhaupt als solche anzuerkennen und zu erkennen in Deutschland noch zu wünschen übrig. Amerikanische und niederländische Ärzte und Therapeuten sind hier um einiges weiter.

Psychosen
Psychose oder auch Schizophrenie genannt gehört auch zu den typischen Folgen eines SMB. Zuerst möchte ich die Symptome beleuchten:
  1. Seit 1900 hat sich die Psychiatrie weltweit darauf geeinigt, dass folgende Symptome zu beobachten sein müssen, um den Verdacht auf Schizophrenie zu erhärten:

    Die Grenzen zwischen der eigenen Person und den anderen sind nicht mehr klar. Der Mensch kann nicht mehr genau sagen, wer er ist und hat das Gefühl, von jemand anderem, der in ihm steckt, beeinflusst zu werden. Eigene Gedanken und Gefühle können schwer von den "fremden" Gedanken abgegrenzt werden, und häufig entsteht der Eindruck, dass die eigenen Gedanken abgezogen werden. Der Patient fühlt sich von außen bedroht und diesen Bedrohungen hilflos ausgeliefert.

    Eine solche Symptomatik weist auf eine sogenannte Ich-Störung hin und auf eine zugrundeliegende Persönlichkeitsstörung (d.h. der Mensch kann sich nicht mehr als Person mit eigener Identität wahrnehmen). Die Störung des sozialen Kontaktes wird auch häufig als Kontaktstörung bezeichnet.
     
  2. Es treten Wahrnehmungsstörungen auf. Es werden Dinge als zusammengehörig empfunden, die nicht zusammengehören, und andere Dinge werden als zur eigenen Person zugehörig empfunden, obwohl sie es nicht sind. Auffällig ist auch, dass häufig Wesentliches von Unwesentlichem nicht mehr unterschieden werden kann. Unwesentliche Dinge können eine zentrale Bedeutung erhalten, z.B. bestimmte Geräusche werden in der Weise bedeutungsvoll, dass sie sich von ihnen angesprochen, beobachtet oder bedroht fühlen. Häufig haben sie auch das Gefühl, der Mittelpunkt der Wahrnehmung anderer zu sein.

    Manchmal wird auch davon berichtet, dass die Umwelt, andere Menschen, Zeit, Raum, der eigene Körper als fremd, verzerrt, verändert oder nur schematisch wahrgenommen wird. Diese Gefühle der Verfremdung bezeichnet man als Derealisation (Verfremdung der Umwelt) oder Depersonalisation (Verfremdung der eigenen Person).

    Darüber hinaus können auch akustische (z.B. Stimmen hören, die nicht da sind) und haptische (fühlt sich berührt, obwohl ihn niemand anfasst) Halluzinationen und ferner auch optische und Geruchshalluzinationen auftreten.
  3. Zu bemerken sind Störungen der Denkabläufe. Hier kann Wichtiges von Unwichtigem nicht auseinandergehalten werden. Das Denken wirkt auf den Beobachter unlogisch und zusammenhangslos, wobei auch oft Gedanken einfach weg sind oder Gedankensprünge festzustellen sind. Oft können sie sich auch nicht entscheiden, welchen Gedanken sie zuerst aussprechen sollen. Es kommt zu verschachtelten Sätzen und Gedankenabläufen, und oft werden Worte im doppeldeutigen Sinn verwendet. Dies sind die sogenannten formalen Denkstörungen.

    Störungen inhaltlicher Art sind Wahnvorstellungen. Sie schaffen dem Patienten Orientierung in der Außenwelt und befriedigen innere Bedürfnisse. Der Wahn hat die Funktion des Ausdrucks von nicht zugestandenen Wünschen und Bedürfnissen und dient der Abwehr von Konflikten.

    Häufige Erscheinungsformen des Wahns sind der Verfolgungswahn, der Beeinflussungs- und Beziehungswahn, bei denen die Patienten sich beobachtet fühlen oder denken, unter dem Einfluss fremder Kräfte zu stehen, die sie zu unmoralischen und unsozialen Handlungen zwingen.
  4. Die Gefühle und die gefühlsmäßigen Beziehungen zur Umwelt sind gestört. Die Gefühle der Patienten sind flach, d.h. sie sind nicht nur in der Intensität des Ausdrucks vermindert, sie scheinen auch an Gefühlen verarmt zu sein. Oft stimmen auch Mimik und Gestik nicht mit dem, was über Gefühle geäußert wird, überein, oder sie passen nicht zur Situation.

    Darüber hinaus haben schizophrene Menschen oft nur wenig Beziehungen zu anderen Menschen und scheinen bindungsunfähig. Häufig haben sie zu einer bestimmten Person (häufig die Mutter oder der Beziehungspartner, d.h. eine nahestehende Person) ein zwiespältiges Verhältnis. Sie sind an diese ihnen nahestehende Person auf der einen Seite extrem gebunden, auf der anderen Seite wirken sie dann wieder interesselos.

    Sie sind unentschlossen, und ihre Gleichzeitigkeit von Wollen und Nicht-Wollen kann ausgesprochen apathisch wirken. Fühlt der Patient sich bedroht, überwiegen Erregung, Spannung und Angst.

    Bei Patienten mit der Diagnose Schizophrenie sind die unterschiedlichen Merkmale individuell verschieden ausgeprägt

THERAPIE

Psychopharmaka (z.B. Neuroleptika) spielen eine wichtige Funktion in der Therapie. Sie lindern die Symptome (heilen aber die Krankheit nicht), können die Gespanntheit vermindern und den Patienten befähigen, über seinen Wahn hinaus mit anderen Menschen umzugehen, wobei aber auch Nebenwirkungen wie eine allgemeine Verlangsamung und Antriebslosigkeit auftreten. Die Medikamente gestalten auch die psychotherapeutische Arbeit einfacher.

"Will man an ihrem Selbst erkrankte Patienten über die beschriebene Alltagstherapie (Grundhaltung) hinaus mit systematischen oder speziellen psychotherapeutischen Verfahren erreichen, ist zu berücksichtigen, dass sie sich meist in einem oder mehreren Bereichen von der Umwelt zurückgezogen haben, in ihrer Phantasie anders wuchern als die, die in ihren Beziehungen krank sind, die eher übersozial sind und emotional und sprachlich besser äußerungsfähig sind. Es wird mehr Ausdauer, mehr Geduld verlangt, auch mehr Bemühen, den Sinn der Äußerung zu verstehen: was haben sie mit dem Selbst zu tun, wo ist die Anbindung an die Normalität gegeben, wo habe ich es mit Überwucherungen des Selbst zu tun. Die Anwendung psychotherapeutischer Verfahren ist dennoch sinnvoll, denn sicher sind psychotische Äußerungsweisen nicht sinnlos und motivlos, vielmehr liegt ihnen eine innere Auseinandersetzung zugrunde, deren Verständnis jedoch durch äußerst individuelle Überwucherung erschwert ist..." (Dörner/ Plog, 1980, S. 114).

Angst-Zustände
Hier möchte ich klar zwischen einer Angst- und Panikattacke und Phobien unterscheiden. Angst- und Panikattacken treten meist plötzlich auf und führen zu sehr schwerwiegenden Problemen im Alltagsleben. 

Angst- und Panikattacken, Angstanfall

Beim Angstanfall wird die Angst sehr körperlich erlebt. Der Patient wird aus heiterem Himmel von Angst überflutet. Die körperlichen Gefühle gehen von extremen Herzrasen bis hin zu Befürchtungen vor dem Tod.

Es entsteht ein Panikgefühl, das die Hilflosigkeit vor der erlebten extremen Gefahr ausdrückt. Die Angstgefühle können so intensiv erlebt werden, dass sofortiges Handeln (z.B. den Notarzt rufen, oder ins Krankenhaus fahren) notwendig wird. Es können aber keine schwerwiegenden Befunde festgestellt werden. Dieser Anfall wird als Ich-fremd erlebt, d.h. es kommt manchen in der Tat wie ein böser Dämon vor.

Phobien

Die phobische Angst ist an eine angstmachende Situation, einen Ort, ein Tier oder etwas anderes gebunden. Dazu gehören beispielsweise Angst vor dem Alleinsein (Monophobie), die Angst sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten (Klaustrophobie), weiter die Angst auf Straßen und Plätzen (Agoraphobie), Angst vor bestimmten Tieren (z.B. Spinnen-Phobie). Ebenso gehören dazu die Angst vor dem Erröten (Erythrophobie) und die Angst in Gruppen von Menschen (Soziophobie), Höhenangst (Akrophobie), um nur einige aufzuzählen.

Da die Angst an spezifische Dinge gebunden ist, ist es oft auch möglich die Angstsituation zu vermeiden (phobische Vermeidung): Der Preis ist eine zunehmende Einengung des Verhaltens und des Bewegungsspielraums. Was bleibt, ist die Angst vor der Angst, d.h. die Angst vor der bedrohlichen Situation.

Daneben unterscheidet man noch weitere Angstzustände:

Allgemeine Angst

Es gibt viele Menschen, die auf diffuse Art ängstlich sind. Sie haben Angst vor dem kommenden Tag, z.B. aus Angst vor dem Erleben des Versagens. Sie nehmen in einer pessimistischen und resignierten Einstellung ihre Überforderung und ihr Versagen bereits vorweg. Diese Angst ist deutlich depressiv getönt. Im subjektiven Empfinden des Patienten ist vieles, was vom Therapeuten als depressiv bezeichnet wird, Ängstlichkeit.

Die allgemeine Angst ist vor allen Dingen im subjektiven Empfinden des Menschen verankert und von außen oft nicht zu erkennen.

Zwangsbefürchtung

Ein Patient leidet z.B. unter der Angst, einem Angehörigen könne etwas Schlimmes zustoßen. Dieser Patient leidet meistens nicht so sehr unter dem Gefühl der Angst, als unter der zwanghaften gedanklichen Beschäftigung mit dieser Phantasie. Es handelt sich also eher um eine Störung des logischen Denkens, als um eine des Gefühls

 

Borderline-Störung
Kennzeichen der Borderline-Störung (ebenso der narzisstischen Störung) ist, dass die Patienten teilweise strukturell unreif oder in kindliche Verhaltensmuster zurückgefallen (regrediert) wirken, hauptsächlich im Bereich der Differenzierung zwischen dem Selbst und anderen Personen, der Selbstwertregulation, der Ich-Funktionen, der Beziehungserwartungen und der Kommunikationsfähigkeit. Dabei können sie aber unauffällig und effizient funktionieren und ihre soziale Rolle ausfüllen.

"Zwischen beiden Welten, der funktionierenden, möglicherweise sogar erfolgreichen und auf der anderen Seite einer katastrophal-chaotischen Welt können manche Patienten rasch hin- und her wechseln: Das diagnostische Gespräch in der einen Woche zeigt den Patienten als verzweifelten, erregten, selbstzerstörerischen Menschen, dessen soziale Situation sich in Auflösung zu befinden scheint; eine Woche später kann ihn das folgende Gespräch in lächelnder Distanz zu seinen Problemen und mit wichtigen Plänen befasst sehen" (Rudolf, 1996, S. 175).

Charakteristisch für die auffällige Seite der Borderline-Störung ist die scheinbare Unfähigkeit, in bestimmten Situationen Kränkungen, Frustrationen und Belastungen auszuhalten und zu verarbeiten. Sie führen zu einer unerträglichen Spannung und Erregung, die sofortige Gegenmaßnahmen erfordert (z.B. Umherlaufen, Essen in sich hineinschlingen, sexuelle Erregung und Entlastung suchen, usw.). Das Gefühl, dass es nicht so weitergehen kann und die Katastrophe unmittelbar bevorsteht, wird zu einem permanenten Gefühl. "Während der Erregung gibt es nichts anderes, nach ihrem Abklingen scheint es sie nie gegeben zu haben, d.h. das Erleben ist zeitlos ohne Anfang und Ende, entweder da oder nicht da".

In den Phasen außerhalb des Erregungszustandes kann im Erleben des Borderline-Patienten die Fremdheit der eigenen Person in den Vordergrund treten: Die eigene Gefühlswelt ist nicht vertraut, der eigene Körper rätselhaft (häufig drückt es sich in hypochondrischen Besorgnissen aus), das Selbstbild ist nicht klar umrissen und es fehlt eine klare Identität. Aber auch die Welt der anderen Menschen ist ihnen fremd: Außerhalb der erregten Phasen zeigt sich ihre Distanz zu anderen Menschen, zu ihren Interessen, Empfindungen und Bedürfnissen.

Typisch für die Borderline-Störung sind unreife Abwehrformen (d.h. Abwehr eines Konflikts), wie Spaltung, Projektion, Verleugnung und Idealisierung. Spaltung als Abwehrform bedeutet, dass der Patient Ganzheitliches (z.B. das Bild der eigenen Person oder das anderer Personen) in einzelne Bestandteile untergliedern und diese dann voneinander getrennt halten muss. Sie werden dann scheinbar "frei" von Widersprüchen. Selbstbilder und Bilder anderer Personen werden eingeteilt in nur-gute und nur-böse Anteile, wobei die negativen Anteile durch Projektion auf jemanden oder etwas nach außen verlagert werden.

Bei Borderline-Störungen können Phänomene auftreten, die so ausgeprägt sind, dass sie ein eigenständiges klinisches Bild ergeben. So kann z.B. die Selbstschädigungstendenz so ausgeprägt sein, dass sie suchtartigen Charakter annimmt (wird unter den Begriff der artifiziellen Störung gefasst). Dabei beschränkt es sich aber meist nicht darauf, dass der Patient sich selber Schaden zufügt, sondern sich mit dem selbst zugeführten Schaden an Ärzte und Kliniken wendet. Dabei weiß der Patient zwar einerseits, dass er manipuliert, aber andererseits aufgrund seiner gespaltenen Ich-Zustände auch wieder nicht. "Ähnlich wie der Hochstapler oder Heiratsschwindler kann er so intensiv in eine einseitige Ich-Befindlichkeit eintauchen (in diesem Fall in die des dringend behandlungsbedürftigen Kranken), dass die übrigen Ich-Anteile, die das Krankheitsbild aktiv herbeigeführt haben, nicht mehr existent erscheinen".


Depressionen
Die Symptome einer depressiven Störung können sich in verschiedenen Bereichen des menschlichen Erlebens und Verhaltens zeigen.

Auf der Gefühlsebene zeigt sich eine Depression durch gedrückte Stimmung - ein depressiver Mensch fühlt sich niedergeschlagen. Er ist mut- und hoffnungslos und fühlt sich wert- und nutzlos. Er kann nichts genießen. Es erfasst ihn eine allgemeine Lustlosigkeit auch an normalerweise anregenden Aktivitäten. Desinteresse an der Umwelt ist ein weiteres Zeichen. Verbunden mit einem Mangel an Selbstwertgefühl entwickelt er pessimistische Zukunftsperspektiven, Zukunftsangst, die bis hin zu Selbstmordgedanken und auch -handlungen führen können.

Auf der Handlungsebene zeigt sich Antriebslosigkeit, Apathie, leichte Ermüdbarkeit und mangelnde Energie und Motivation. Die Bewegungen sind langsamer, und Rückzug von allen sozialen Aktivitäten ist häufig. Der depressive Mensch zeigt kein Interesse an Hobbys, Menschen und alltäglichen Aufgaben und ist unfähig, auf eine freundliche Umgebung emotional zu reagieren.

Es sind verminderte Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistungen festzustellen und damit verbunden eine verminderte Leistungsfähigkeit und verlangsamte Denkprozesse. Es besteht eine Neigung zu Selbstvorwürfen und Gefühlen der eigenen Unfähigkeit - unrealistische Einstellungen zur eigenen Person dominieren.

Auf der körperlichen Ebene ist die Depression begleitet von Appetitverlust, Müdigkeit, Schlafstörungen, Verminderung des Sexualtriebes, Gewichtsab- oder Zunahme und körperlichen Schmerzen.

Das Verhalten ist deutlich gekennzeichnet durch sozialen Rückzug. Auch zu beobachten sind verlangsamte motorische Reaktionen, ein blasses Aussehen, gebeugte und schlaffe Haltung, reduzierte Mimik und Gestik, leises Sprechen und ein Vernachlässigen der Hygiene.

Charakteristisch für ein psychoanalytisches Vorgehen ist, dass klinische Phänomene nach dahinter liegenden unbewussten psychischen Konflikten und ihre psychische Entwicklungsgeschichte (im Gegensatz zu organischer Entstehungsweise) hin untersucht werden. Hierbei sind die frühen Entwicklungsabschnitte der Person und die frühen Störungen von großer Bedeutung. Es geht wesentlich um das Zusammenspiel zwischen dem zentralen frühen Konflikt in der Kindheit und den unterschiedlichsten Verarbeitungsweisen des Konfliktes. Die Art der Verarbeitung, d.h. die Bewältigungsformen (der Versuch mit dem Konflikt umzugehen) sind auch die, die unter einer Belastungssituation, denen ein Erwachsener ausgesetzt ist, zusammenbrechen können und die dann die Symptome auslösen.
  

Dissoziative Störungen
Neben dem oben unter MPS schon geschilderten Störungen möchte ich hier noch kurz auf weitere Dissoziative Störungen eingehen. Neben MPS gibt es die abgeschwächte Form, bei der sich die sogenannten inneren Kinder ausbilden. Jeder Mensch verfügt zwar über ein inneres Kind, es wird aber kaum wahrgenommen und ist im normalen Denken des Menschen integriert. 

Kommt es zu traumatisierenden Vorkommnissen sind diese inneren Kinder erheblich ausgeprägter und es kommt oft dazu, dass mehrere innere Kinder vorhanden sind. Ab einem gewissen Punkt kommt es dann zu einer starken Selbständigkeit, so dass man von MPS sprechen muss. 

Daneben gibt es dann noch die dissoziative Amnesie, auch Verdrängen genannt. Häufig verdrängen traumatisierte Kinder (aber auch Erwachsene) die Ereignisse, die zu dem Trauma führten. die Verdrängung oder das Vergessen ist so gründlich, dass ganze Abschnitte des Lebens fehlen in der Erinnerung. Das kann soweit gehen, dass die Erinnerungen der kompletten Kindheit nicht mehr vorhanden sind. Es ist ein Schutzmechanismus des Unterbewusstseins. Die Ereignisse sind aber nicht vergessen, sie werden in einem gesonderten Areal im Gehirn, dem sogenannten Traumagedächtnis, gespeichert. Dies ist auf einem EEG nachweisbar. Fängt der Erwachsene oder Jugendliche wieder an, dieses Gedächtnisareal anzusprechen und die Erinnerungen setzten wieder ein, sprechen die Betroffenen oft von "Erwachen". Die Erinnerungen werden meist nur "Portionsweise" freigesetzt. Oft dauert der Prozess der Rückerinnerung Jahre. 

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