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Zum Abschluss noch
einige Worte über Freunde, Freundinnen, Verwandte und Foren. Ich habe in
den vorigen Kapiteln nur kurz darüber gesprochen. An dem Morgen, an dem
ich erwachte und ich endlich wieder wusste, was ich als Kind erleben
musste, wusste ich sofort, dass ich reden musste. Nie hatte ich es
geschafft, richtig über mich und meine Gefühle zu reden. Ich ging in
Gedanken alle Freunde/Freundinnen und Verwandte durch. Mit wem sollte ich
reden? Am liebsten hätte ich mit meinem mittleren Bruder darüber
gesprochen. Nur wollte ich es nicht per Telefon machen. Also musste es
jemand anderes sein.
Ich suchte mir eine
gute Freundin aus und lud sie ein. Ihr erzählte ich es als erstes.
Morgens war ich noch relativ ruhig. Bei dem Gespräch aber brachen alle
Gefühle aus mir heraus, der Damm war gebrochen. Kurz drauf informierte
ich meinen mittleren Bruder per Telefon. Im Laufe der nächsten Monate
informierte ich immer mehr aus meinem Freundeskreis. Es waren einige und
die Gespräche waren immer sehr anstrengend. Ich hatte mir die Reihenfolge
sehr genau festgelegt. Innerhalb von 2 Monaten war ich dann fast durch.
Einige kamen erst später hinzu. Auch mein Ex-Chef informierte ich später
über das, was mit mir los war.
Die Freundin meines
mittleren Bruders war es auch, die mich auf das Internet aufmerksam
machte. Sie schickte mir den ersten Link. Es war Tauwetter in Berlin. Sehr
schüchtern und vorsichtig nahm ich Kontakt auf. Nach und nach wurde ich
mutiger und fand dann irgendwann Zugang zu den ersten Foren. Und dann über
entsprechende Links fand ich auch die Seite von Trotz-Allem. Hier können
Opfer von SMB anonyme Webseiten einrichten. Dadurch kam ich dann zu meiner
Webseite. Ich konnte damit viel von meinem Kummer mit anderen Teilen,
konnte meine Gedichte anderen zur Verfügung stellen.
Im Laufe meines Weges
durch meinen MB war ich auch in einigen Foren. Ich verkroch mich
regelrecht in diesen Foren und auch in den Chats. Das war nicht unwichtig
für meine Entwicklung. Nur nach dem ich in der Klinik war habe ich einige
der Foren nach und nach verlassen. Übrig sind nur einige geblieben, denen
ich mich besonders verbunden fühle. Hier habe ich immer Unterstützung
erfahren, besonders wenn es mir sehr schlecht ging.
Auch mein
Freundeskreis unterstütze mich sehr. Alle waren mehr oder weniger
geschockt über das, was ich ihnen erzählen musste. Allerdings nur den
Wenigsten erzählte ich die Details. Nicht jeder Mensch kann mit den
grausamen Taten umgehen, die ich erleben musste. Ich kann sie verstehen.
Oft spielt Angst eine Rolle, wenn andere mit unserem Schicksal nicht
umgehen können. Auch die Reaktionen meiner direkten Verwandten, also
meinen Brüdern und deren Kindern war sehr positiv. Sie sicherten mir alle
ihre Hilfe zu und haben das auch bis heute getan. Ohne all diese Unterstützung
hätte ich es nie so schnell geschafft wieder in das normale Leben zurückzukehren.
Anfangs versuchte ich
es noch abzublocken. Aber mit der Zeit fing ich an, das zu akzeptieren,
was diese 3 Menschen mir als Kind antaten und mich auch emotional von
meiner Mutter abzunabeln. Ich fing auch an es nicht mehr zu beschönigen
und es so zu bezeichnen wie es war: Grausam. Ich habe innerhalb eines
Jahres verschüttete Erinnerungen bis zurück in das Alter von ca. 1 1/2
bekommen. Und es ist kaum eine dabei, die man nicht als unmenschlich und
grausam bezeichnen müsste. Obwohl ich mein Wissen darum verloren hatte
wirkten diese schlimmen Dinge in mir und prägten mich. Bis heute kämpfe
ich mit den Folgen, versuche mich zu verstehen, warum ich immer so
gehandelt habe in meinem Leben. Vieles blieb mir nicht vergönnt in meinem
früheren Leben.
Ich will es nicht als
schlecht bezeichnen, zu mindest ab dem 20. Lebensjahr. Nur fehlte vieles
von dem, was ein normales Leben ausmacht. Eine Art Gefühlskälte schien
mich zu umgeben. Innerlich war dem nicht so, ich machte mir schon früh
sehr viele Gedanken über Menschen, Leben usw. Nur mich selber schloss ich
davon aus. Ich dachte über
Kriege, Folter nach, schrieb Gedichte über das, was ich dachte.
Auch tiefe Liebe
konnte ich empfinden, aber nie äußern. So vieles haben sie mir von
meinem Leben genommen. Heute kämpfe ich darum, mir dies noch mal zurückzuerobern.
Es ist ein sehr anstrengender Lernprozess. Mit knapp einem halben Jahr
endete meine Kindheit. Nach all den Jahren fange ich heute erst an, manche
Dinge zu lernen. Immer noch stecken alte Ängste in mir, vieles hat sich
zum Glück aber schon geändert. Ich kann über so vieles reden, auch über
mich und meine Sexualität, über meine Bedürfnisse. Früher hätte ich
dies nicht gekonnt. Ich spüre mich endlich, merke dass mir vieles was
mich betrifft, nicht mehr egal ist.
Viele kleine Erfolge,
die ich heute sehe, verändern mich, geben mir das zurück, was sie mir
nahmen.
Ich habe dieses, mein
Leben aufgeschrieben für alle, die sich nicht vorstellen können, was
einem Kind passieren kann und welche Auswirkungen das auf uns hat. Wir,
die wir den grausamen Missbrauch in unserer Kindheit überlebten, wissen
wie schlimm es ist und war. Leider machen sich viele der
"normalen" Menschen kaum Gedanken darüber. Ich kann aber auch
verstehen, wenn sie es einfach nicht erfassen können, wie schrecklich so
etwas ist.
Unfälle, schwere
Krankheiten, dass kann man erfassen. Wie aber soll man verstehen, welche
Auswirkungen ein SMB und oder Gewalt in der Kindheit hat? Vielleicht
konnte ich ein wenig davon mit diesem Text dazu beitragen. Vielleicht
sehen dann einige Menschen ein, dass etwas geschehen muss. Täter müssen
hart bestraft werden, es muss ihnen die Möglichkeit genommen werden, sich
je wieder an einem Kind zu vergreifen. Auch die Verjährungen bei diesen
Verbrechen sind unmöglich. Entweder dürfte es nie verjähren oder erst
nach vielen Jahren.
Auch ist die Unterstützung
für Opfer immer noch sehr dürftig. Würden wir uns nicht gegenseitig
helfen wäre es unerträglich. Es ist traurig wenn ich sehe, dass in
meinem Bundesland nur eine einzige Anlaufstelle für Mädchen existiert.
Jungs haben gar keine Möglichkeit. Es ist schon eine Frechheit der
Gesellschaft, das Problem so zu ignorieren. In den letzten Jahren hat sich
schon einiges geändert, aber es reicht noch lange nicht aus. Vor allem
wird es Zeit, dass die Bevölkerung versteht, dass es die Täter sind, die
sich an Kindern vergreifen, die sich außerhalb aller Normen stellen.
Oft genug wird den
Kindern auch noch ein Teil der Schuld zugewiesen. Das ist unhaltbar. Es
sollte sogar unter Strafe stehen, solche Aussagen zu machen. Auch die
Strafen für Kinderpornografie sind immer noch viel zu gering. Hier müssten
immer Haftstrafen ausgesprochen, mindestens 2 Jahre ohne jegliche Bewährung.
Zu oft werden hier nur Geldstrafen verhängt. Und vor allem müsste jeder
Täter oder die Pädos, die sich in entsprechenden Foren treffen und sich
dort immer mal wieder absprechen, von der Bevölkerung massiv geächtet
werden. Ihnen muss klar gemacht werden, dass normale Menschen dies nicht
akzeptieren. Solange dies nicht geschieht werden sie immer wieder
versuchen ihren Forderungen nach Gesetzesänderungen unter dem Deckmantel
der freien Meinungsäußerung einfordern. Dies ist ein Schlag in das
Gesicht von unseren Opfern, wenn diese gestörten Pädos so etwas fordern.
Hier wären auch dringend Maßnahmen erforderlich.
Leider sind diese
nicht in Sicht. Die Lobby dieser "Menschen", sowohl Frauen als
auch Männer, scheint immer noch sehr stark zu sein. Das beweist die ab
und zu auftauchende Skandale um Kinderpornos. Quer durch die Bevölkerungsschichten
finden sich dabei die Täter, Richter, Anwälte, Politiker, Polizisten und
Künstler tauchen dabei als Täter auf. Ich frage mich wie groß ist der
Einfluss dieser Bestien?
Mein Leben geht
weiter, einige Male stand ich auf der Kippe und konnte nicht mehr. Ich
habe es bis hierher geschafft und will es weiterhin schaffen. Ein Teil
meines Lebens wird wohl immer der Kampf gegen die Täter sein und bleiben.
Und natürlich anderen Opfern, die wie ich im Netz nach Hilfe und Erklärungen
suchen. Heute kann ich ihnen mit meinen Erfahrungen helfen, so wie andere
mir halfen. Ich kann ihnen nicht genug danken für die Hilfe, die sie mir
gaben, als ich am Boden war und ich nicht mehr leben wollte.
Ohne andere Menschen
hätte ich es nie geschafft. Sie halfen ohne zu fragen, was es ihnen
bringt. Ich danke euch dafür. Ihr habt mir bewiesen, dass es neben den
Bestien auch immer noch gute Menschen gibt. Hört sich schwülstig an, es
ist aber so.
Danke
Michael
Sascha 2005
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