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Texte
Gedanken -
Über mich, über andere, über Gott
und die Welt |
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Quer durchs Leben |
Immer wieder überlege ich, was alles durch den MB in meinem
Leben beeinflusst wurde. Sicher, es gibt offensichtliches.
So meine Entwicklung im sexuellen Bereich. Meine Beziehungen
zu Frauen in meinem Leben. Ich war ja so ein richtiger
Frauenheld. Immer floh ich vor den Frauen, richtig
heldenhaft hab ich mich verkrümelt.
Ich war grade mal 14, als ich eine kennen lernte, die mir
schon sehr gut gefallen hatte. Schüchtern wie ich war/bin,
kam es wenn nur zu kleinen verbalen Annäherungen. Später
traf ich dann in der Handelsschule eine gleichaltrige junge
Frau. Schnell merkte ich, wie sympathisch sie mir war. Aber
sie hatte einen Freund. Und den stellte sie mir eines Tages
vor. Wie so oft sagte ich was dummes und war weg. Heute
frage ich mich, warum sie in mir vorstellte? Sie hatte ja
wohl bemerkt, dass ich was für sie empfinde. Und ich hatte
das Gefühl, dass ich ihr auch nicht gleichgültig war.
Jahre später traf ich sie. Er hatte sie sitzen gelassen. Sie
hatte einen Motorradunfall hinter sich, den er wohl
verschuldet hatte. Sie war dabei im Gesicht verletzt worden.
Das und anderes haben dann wohl zur Trennung geführt. So
hatte ich ihn damals schon eingeschätzt, den Herren Sohn
eines Männer-Mode-Ladensbesitzer. Äußerlichkeiten sind
wichtig, und eine Frau mit Narben im Gesicht ist untragbar.
So hörte es sich an, was sie sagte. Ich sah die Narben kaum.
Ich sah nur sie. Und es war immer noch die Frau von damals,
nur eine traurige Frau. Leider war ich zu der Zeit in einer
festen Beziehung. Ich war ihr gegenüber sehr scheu. Die
andere starb leider mit knapp über 30 an einem Tumor. Ich
hatte sie auch später nach ihrer Scheidung wieder gesehen.
Sofort waren da wieder viele Gefühle für sie. Aber auch da
war es zu spät. Ich war gebunden und stehe wohl auch dazu.
Ich weiß es nicht, wie es anderen geht. Sicher begegneten
mir Frauen, von denen ich dachte, mit der ja. Aber trotz
meiner Schüchternheit war ich ja lange in Beziehungen. Die
erste zwar leider nur 1 1/2 Jahre, dafür die nächste fast 16
Jahre.
Jetzt bin ich solo. Das mag auch gut so sein. Ich brauche
sehr viel Luft und Freiraum für mich. Auch wenn ich immer
wieder als Stark und so bezeichnet werde, es gibt noch viele
Probleme, oft fehlt mir der richtige Antrieb, um das nötige
zu tun. In mir kämpft noch vieles, jeden Tag aufs neue. Ich
kann das zwar gut auf die Seite drängen, aber dort ist es
nicht vergessen. Und wenn ich wie heute freie Zeit für mich
habe, arbeiten die Gedanken. Und wie schon oft beobachtet,
macht mich das müde.
Und dann fallen mir Abschnitte meines Lebens wieder ein und
ich frage mich, wie kam es dazu? 1977 fing ich eine
Ausbildung an zum Groß- und Außenhandelskaufmann an. Es war
eine kleine Firma die mit Getränken und Tiefkühlkost
handelte. Wir belieferten die Gastronomie mit allen
möglichen Getränken, auch mit Spitzenweinen und Spirituosen
aller Art, mit Pommes und Krabben, Eis und Schnecken. Aus
der zeit habe ich viel Wissen über Weine, Spirituosen und
Tiefkühlkost gesammelt. Auch dürfte ich so mit die erste
Tiefkühlpizza in Deutschland gegessen haben. Es war eine
Peppinos Pizza.
Nach der Lehre übernahm mich die Firma nicht. Das war klar.
Am Tage der Prüfung wurde ich arbeitslos. Das war Sommer
1979. Ein Abschnitt lag hinter mir. Die Lehre. Doch woher
ein Job bekommen? Damals gab es auch schon eine nicht gerade
kleine Arbeitslosigkeit in Deutschland. Und ich hatte den
Grundwehrdienst noch nicht absolviert. Heute bräuchte ich
mir keine Gedanken darüber machen. Ich hatte den
Wehrtauglichkeitsgrad 3. Heute würden die mich nie nehmen.
Aber damals nahmen sie uns noch. Also keine Aussicht auch
einen normalen Job. Ich fand in einer Zeitung eine Anzeige.
Wollen sie viel Geld mit einer interessanten Tätigkeit
verdienen? Klar wollte ich. Ich hatte mich schon auf eine
Anzeige von Bosch beworben. Sie suchten Mitarbeiter für
Wahlfishbay (Afrika). Und ich wollte weg von zu Hause. Die
nahmen mich nicht. Aber diese andere Firma wohl. Das ganze
war in der Nähe von Viersen. Hörte sich echt gut an.
Das war es aber dann auch. Damals hatte ich noch keine
Ahnung, was eine Drückerkolonne ist. Mit 19 kennt man so was
noch nicht. Eine nette Frau holte mich ab und wir fuhren
nach Viersen, zur RoVa-Werbeagentur.
Es war ein Sammelsurium von gescheiterten Existenzen,
Verbrechern und ähnlichem, was mich da erwartete. Und der
Obergangster war der Chef. Ein Herr Valentini. Wir wurden in
marode Autos verfrachtet, jeder zwei bis drei Rollen
Groschen dabei. Damit fuhr man uns in eine Stadt (Ruhrgebiet
war nahe). Ab ins nächste Postamt und dann die Telefonzellen
besetzt, Branchenbuch dabei und dann ging es los.
Anzeigenwerbung für eine wertlose Broschüre. Solche Dinger
gibt es heute noch und ich muss dann immer dran denken, wie
diese Anzeigen zustande kommen. Es dürfte sich nicht viel
geändert haben. Irgendwelche Tröpfe rufen an und versuchen
diese Dinger zu verticken. Sei es für sinnlose Broschüren
oder ominöse Kalender.
Jeden Morgen gab es eine Versammlung und eine Art
Befehlsausgabe und Frühstück. Dann den ganzen Tag unterwegs.
Abends dann Abrechnung. Und wehe, man hatte nichts verkauft.
Unsere Truppe war mit die schlechteste. Wir verkauften fast
nichts. Mit der Zeit wurde es immer schlimmer. Ich hatte
bereits 15 bis 20 kg abgenommen. Geld hatte ich fast keines
mehr, Essen gab es fast nur bei Erfolg. Ich war kein
skrupelloser Verkäufer. Also machte ich keinen Umsatz, also
gab es kein Essen.
Mein Glück war, dass der Chef sowieso gerade Sklaven
brauchte für einen Umbau. Also nahm er mich aus dem Verkauf.
Zusammen mit zwei Handwerkern machten wir andere Arbeiten.
Und ich bekam wieder was zu Essen. Dafür arbeiteten wir
viel. Später sogar bauten wir mit an seinem Schwimmbad. Die
Decke wurde gegossen und wir machten das Drahtgeflecht und
halfen beim Giessen. Er hatte auch einige Wohnungen. Die
musste renoviert werden usw.
Geld gab es kaum. Er hatte entsprechende Knüppelverträge mit
uns abgeschlossen. Ich schulde ihm bis heute so um die 1000
DM. Meine Rettung war dann die Bundeswehrzeit. Denn im
Februar 1980 bekam ich die Einberufung. Am 1.4.1980 sollte
ich mich pünktlich in einer Kaserne in Lipperode (nähe
Lippstadt) melden. Eine Woche vorher nahm mich jene Frau
wieder mit nach Hause. Damit endete diese Kapitel meines
Lebens, dass ich bis zu meinem Erwachen immer als mein
schlimmstes angesehen hatte. Es war eine harte Zeit dort
gewesen. Drücker haben mit den miesesten Job in unserem
Land. Auch hier verschließt der Gesetzgeber schön die Augen
davor. Haftentlassene, dumme Jungs wie ich, sonstige
Ausgestoßene, die findet man in solchen Jobs. Die Bosse, die
dahinter stehen, verdienen sich bis heute eine goldene Nase.
Ich hatte noch einen relativ „humanen“ erwischt. Es gab zwar
Essensentzug, aber keine Schläge. Da habe ich auch schon
anderes gehört. Aber wenn ich an das Schwimmbad denke, mit
Gegenstromanlage und allem Komfort, dann weiß ich, was der
Herr verdient hat. Ich weiß aber auch, das scheinbar seriöse
Vereine sich nicht scheuen, an so was zu partizipieren. Ich
denke da an die ach so humane „Björn-Steiger-Stiftung“.
Björn Steiger war ein Junge, der Mitte der 70er Jahre starb,
weil es keine Notrufsäulen gab. Sein Vater rief diese gut
gedachte Stiftung ins Leben. Es wurden auch viele
Notrufsäulen aufgestellt. Leider gibt es auch die andere
Seite. Wir hatten auch eine Broschüre dieser Stiftung und
verkauften für die Werbeanzeigen. Ich brauche nicht zu
sagen, dass sie seit dem für mich erledigt ist. Herr
Valentini verdiente viel Geld mit dem Spruch: „Guten Tag,
ich bin Herr xy von der Björn-Steiger-Stiftung“. Sein
Schwimmbad dürfte darüber finanziert worden sein. Und
natürlich auch auf meinem Rücken.
Es folgte die Bundeswehrzeit. Und die verlief gut für mich.
Nach der „Grundi“ kam ich erst kurz nach Coesfeld zu meiner
Stammeinheit. Es ist übrigens genau jene Kaserne, die zur
Zeit durch die Presse geht wegen der Misshandlung von
Soldaten. Zu meiner Zeit war da alles OK. Noch von Coesfeld
aus landete ich wegen Kniebeschwerden im BW-Krankenhaus in
Hamm. Dort wäre ich fast an einigen post-operativen
Problemen gestorben. Nach meiner Knieoperation bekam ich 14
Tage später hohes Fieber. Meine Lunge hatte sich entzündet,
das Knie auch. Nach massiven Medikamenten-Einsatz bekamen
sie das in den Griff. 24 Stunden Dauertropf, Tabletten ohne
Ende (42 pro Tag, eine habe ich genommen und den Rest
entsorgt), ging es mir nach 10 Tagen besser. Ich war über
ein Monat dort.
Von da an ging es dann nach Münster zum 1. Corps. Und das
waren echt gute Tage. 2 Tage Dienst, 3 Tage frei. So ließ
ich mir das Leben gefallen. Und wir waren für kaum jemanden
zu erreichen, unsere Diensträume durften nur wenige
betreten. Unser einzigster Vorgesetzte war ein bayrischer
Hauptfeldwebel, der gerade aus den USA zurückkam. Und der
hielt nicht viel von Drill und so. Eher von einer
funktionierenden Dienststelle. Und dafür sorgten wir.
Es war eine schöne Zeit in Münster. Viele gute Tage habe ich
da verbracht. Ich fuhr viel mit der Bahn. Quer durch
Deutschland nach Hause. Ich lernte viele Menschen kennen auf
diesen Fahrten. Auch die Kaserne in Münster war interessant.
Neben uns war da auch der Heeresmusikcorps untergebracht.
Gegenüber war einer der besten Chinesen in Münster, bis zum
Send waren es 5 Minuten. Dort war auch das Corps-Gebäude.
Und bis zum Friedenssaal und dem Dom noch mal 5 Minuten.
Eine schöne Zeit, die nach 15 Monaten endete. Ab da beginnt
dann ein neuer Abschnitt.
19.1.2006 - Sascha |
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(C)
jetzt.trotz-allem.org 2006 |
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