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Texte
Tagebuch des Erwachens |
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Kampf |
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Die Kampfphase begann sicherlich schon sehr früh. Richtig begann sie
mit den Erkenntnissen über die Foltermethoden, mit dem mich mein Täter
gefügig gemacht hatte. Seit diesem Tage spätestens fühle ich neben Angst,
Scham und Schmerzen auch den Hass und die Wut für die teilweise Zerstörung
meines Lebens.
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| Erkennen |
Ich erkenne nach und nach, dass es ohne Therapie
nicht geht. G kümmert sich rührend um einen Termin für mich. Er ist
demnächst. |
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| WEB |
Meine Gedichte sind ohne Zweifel ein sehr wichtiges
Ventil für mich. Ich schreibe eigentlich jeden Tag mindestens ein
bis zwei Stück. Auf dieser Webseite habe ich sie für euch in
Auszügen zur Verfügung gestellt.
Daneben fand ich im Netz viele Seiten, die sich mit der Thematik
im Allgemeinen auseinandersetzen. Auch Seiten wie
Tauwetter, die
spezialisiert sind auf uns männliche Opfer. Sie sind sehr hilfreich.
Unter anderem habe ich mir Listen und Fragebögen herunter geladen
und bin sie zusammen mit meiner Freundin H durchgegangen. Neue
Erkenntnisse über die Folgen waren das Ergebnis, aber auch die
Erkenntnis, dass nie alles zutrifft. Das halte ich für eine wichtig
Erkenntnis. Daneben bieten viele eine Chat oder E-Mail-Beratung an.
Ich habe sie genutzt. |
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| Hilfe |
Ich habe Hilfe bei meinen netten Freunden,
Freundinnen und Brüdern gefunden. Auch ein Arbeitskollege gehört dazu. Viele
intensive Gespräche haben mir geholfen, haben sicherlich auch zu dem
bisher wichtigsten geführt: |
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Das Kind
(Text vom 20.9.03) |
Vor jetzt mittlerweile 2 Wochen habe ich das Kind in
mir gefunden. Es war sehr verängstigt und weinte nur vor sich hin.
Dabei wehrte es sich gegen jede Berührung mit Händen und Füßen. Ich
habe es jetzt soweit, dass es eingeschlafen ist. Friedlich ruht es
in mir und nuckelt am Daumen. Gut so. Es soll schlafen. Denn jetzt
kann auch ich schlafen. Seit diesem Tage habe ich viel, tief und gut
geschlafen! Inzwischen schaffe ich es sogar, mein inneres Kind auf
den Schoß zu bekommen und es bewusst in den Schlaf zu wiegen. Toll! |
Weitere Kinder
(17.7.2004) |
Im Nachhinein fallen mir
einige Ungereimtheiten auf, die mir zum Zeitpunkt der Entdeckung
des 1. inneren Kindes nicht aufgefallen waren. Wie auch, ich hatte
ja keinerlei Erfahrungen. Heute weiß ich, wie alt es ist. Es
konnte noch nicht sprechen, es zeigte mir nur die schlimmen Bilder
und drückte seine Gefühle durch Weinen oder Lachen aus. Es ist
höchstens ein Jahr alt, eher jünger. Ich würde es fast als Baby
bezeichnen. Es war vielleicht ein geschickter Schachzug der
anderen inneren Kinder. sie schickten ihn vor, weil er noch nicht
viel verraten konnte. Im Laufe der Zeit wurden es immer mehr.
Besonders vor oder zu bestimmten, schrecklichen Abschnitten meines
Lebens tauchten neue innere Kinder auf. Bis heute sind es nun
sechs Kinder, die ich in mir habe:
- Das erste und jüngste. Es repräsentiert den
Beginn des 1. Missbrauchs
- Ein ca. 3 jähriger Junge. Er hat gekämpft
ums überleben und sich heftig gewehrt. Er kam als letzter, im
April 2004.
- Ein ca. 4 jähriger Junge. Es ist derjenige,
der bei den Pflegeeltern war. Es repräsentiert das
Unverständnis, es geht ihm aber ganz gut, ihm ist nie etwas
ganz schlimmes passiert. Er kam im Februar 2004 hinzu.
- Ein ca. 9 jähriger, sehr wütender Junge. Er
war das zweite innere Kind. Ich fand ihn kurz vor einem
weiteren Erinnerungsschub im Oktober 2003. Er lief einfach
wütend im Kreis herum. Das macht er sogar heute noch ab und
zu.
- Ein weiterer 9 jähriger Junge. Er ist der
tief verletzte Junge. Er nahm die schweren Misshandlungen und
die Folter auf sich. Er trennte sich von dem anderen 9
jährigen Jungen Anfang 2004. Es war zuviel für ein inneres
Kind. Darum diese Aufteilung auf zwei. Er ist hauptsächlich
traurig und tief in sich gekehrt.
- Ein 14 jähriger Junge. Er weiß viel, ist
leicht altklug. Er steht für die abschließende Entwicklung
durch den letzten Missbrauch. Irgendwie habe ich den Eindruck,
dass er auch über die anderen wacht und aufpasst, dass ihnen
nichts passiert. Er redet nicht viel, sitzt nur da und
lächelt leicht. Es scheint aber auch viel Unsicherheit noch
im Spiel zu sein. Er tauchte Anfang Dezember 2003
auf.
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Klinik
(17.7.2004) |
Die weitere Entwicklung
seit Dezember 2003 führte laufend zu einer Verschlimmerung meines
seelischen Zustandes. Es kamen im Dezember zwar keine neuen
Erkenntnisse hinzu, aber ich wurde laufend Unruhiger. Über dem
Jahreswechsel 2003/2004 war ich in Berlin. Ich wollte das alte,
schreckliche Jahr dort mit lieben Verwandten ausklingen lassen.
Daneben bereitete ich eine Ausstellung vor. Sie war für mich ein
voller Erfolg. Also hätte es mir gut gehen müssen. Dem war aber
nicht so. Grade in der Woche der Ausstellung ging es mir sehr
schlecht. Unter anderem wollte ich auch bei Tauwetter vorbei
gehen. Es ging nicht. Allein der Gedanke löste eine heftige
Panikattacke aus.
Ende Januar kam ein weiterer, sehr schlimmer
Flashback hinzu. Er war der bisher grausamste. Er zeigte mir den
Moment in meinem noch jungen Leben in dem ich mich endgültig nach
innen verkroch um die schweren Misshandlungen seelisch zu
überleben. Und kurz nach meinem 45. Geburtstag, den ich mit
lieben Freunden verbracht habe, kam eine weitere schlimme
Erkenntnis hinzu. Mir wurde klar, dass der 1. Missbrauch schon
sehr früh begann. Die Tatsache, dass ich nie eine Chance hatte
auf eine normale Kindheit brachte mich an den Rande der absoluten
Verzweiflung. Ich war kurz davor, durch zu drehen. So um den
15.2.2004 herum fasste ich den Entschluss, eine Klinik
aufzusuchen. Ich merkte, dass ich am Ende war. Fast jeden Tag
hatte ich nun einen Nervenzusammenbruch. Ein Flashback nach dem
anderen. Schmerzen, schlimme Gefühle, grausame Erinnerungen
peinigten mich. Auf dem Weg zu meinem Therapeuten hatte ich
laufend Gefühlsflashbacks. Alle drei Täter drangen auf und in
mich ein. Ich schaffte fast den Weg nicht mehr. Er sah mir wohl
an, dass es mir sehr schlecht ging. Ich sagte ihm klipp und klar,
dass ich in eine Klinik muss. Es würde anders nicht mehr gehen.
Erst versuchte er mich noch zu trösten und abzulenken. Aber es
half nichts. Ich weinte, schrie laufend vor Schmerzen auf und
versuchte mich in dem Sessel zu verstecken. Später gestand er
mir, dass ihn meine Schreie noch tagelang verfolgt hätten.
Zum Glück kannte er eine gute Klinik. Dort
reichte eine einfach Einweisung vom Hausarzt. es war eine richtige
Akut-Klinik. Er suchte die Nummer heraus und rief dort an. Ich
hätte sogar sofort dorthin fahren können. Ich entschied mich
aber für die Woche darauf (9.3.2004), weil ich ja noch packen
musste, die Katze musste untergebracht werden usw. eine Woche
später kam ich dort mit letzter Kraft an. Heute weiß ich, es war
die richtige Entscheidung. Es wäre anders wirklich nicht mehr
gegangen. Denn dort kam die hoffentlich letzte Erkenntnis. Mit ca.
3 Jahren habe ich mich heftig gegen ihn gewehrt. Er hätte mich
fast umgebracht dabei. Er änderte seinen Entschluss erst im
letzten Moment. Ich war im wahrsten Sinne des Wortes
"Überlebender". Er hätte mich fast ersäuft.
9 Wochen war ich in der Klinik. Es war ein
hartes Stück Arbeit. Mir hat es viel gebracht. Sogar eine neue
Liebe zu einer Überlebenden. Heute geht es mir erheblich besser.
Ich hatte Zeit über mich und alles nachzudenken, neue Seiten an
mir zu entdecken und zu akzeptieren. Ich weiß nicht, wo ich heute
stehen würde ohne diesen Aufenthalt. |
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(C)
jetzt.trotz-allem.org 2004 |
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