Ein Besuch
(26.9.2004) |
Am 26.9.2004 besuchte
mich mein 3. ältester Bruder. Wir ließen die letzten 1 1/2 Jahre
Revue passieren. Was war alles passiert in dieser Zeit. Durch
welch Höhen und Tiefen bin ich gegangen? Es war eine grausame
Zeit. Er gestand mir auch, dass er immer wieder dachte, dass ich
es nicht schaffen würde und an den schlimmen Erinnerungen zu
Grunde gehen würde. Ich sage ja selber, dass Suizid keine Lösung
ist. Ich weiß aber auch, dass ich oft genug kurz davor stand. Zu
schlimm waren die Erinnerungen gewesen, die Empfindungen, die mich
überschwemmten. Ich erinnerte mich daran, wie oft ich einfach so
am Boden gelegen hatte und nur noch wimmern konnte. Der Schmerz in
mir war enorm groß. Ab und zu lag ich da, einsam und verlassen
und schrie heiser um Hilfe. Aber man/frau muss da alleine durch.
Unterstützung ist zwar eine gute Sache, aber die echte Hilfe kann
nur von uns selber kommen. Wir müsse es schaffen, uns aus dem
Vergangenem zu befreien und in die Zukunft zu sehen, ohne dass die
grausamen Vorgänge zuviel Einfluss auf unser Leben haben.
Doch das ist nicht gerade ein leichtes Vorhaben.
Besonders dann, wenn die Erinnerungen immer wieder aufs Neue
angeheizt werden durch neue Episoden und Vorfälle. Im Februar
hatte ich schon mal kurz mit meinem Bruder darüber gesprochen.
Über unsere Eltern, besonders über das Verhalten meiner Mutter.
Während des Klinikaufenthaltes ist dadurch das Gedicht "Ein
Kind ist nicht so" entstanden. Aber sonst habe ich
versucht, das Thema zu verdrängen, wie so oft. Jetzt am Sonntag
ging das nicht mehr. Wir redeten über seine Kindheit, seine
Eindrücke. Und ich stellte fest, dass sie sich mit den meinigen
deckten, die langsam wieder nach oben kamen. Ab dem 12. Lebensjahr
setzen meine Erinnerungen auch richtig detailliert ein, so dass
ich zusammen mit seinen Informationen langsam aber sicher ein
völlig neues Bild bekam. Wieder brach ein Stück meiner heilen
Welt zusammen. |
| Warum auch du? |
Am Montag nach seinem
Besuch setzte ich mich an den PC und fing an, meine Gedanken
niederzuschreiben. Ich war 3 mal (soweit ich es heute weiß) in
meinem noch jungen Leben schwerst missbraucht worden und habe
schlimme Gewaltakte ertragen müssen. Nun gesellte sich ein
weiterer, anderer Missbrauch hinzu: Der seelische Missbrauch durch
meine Mutter.
Ich nehme es ihr nicht in dem Sinne übel, dass
sie mir nach der Entdeckung des 1. SMB kaum helfen konnte. Ich
kann es ihr in keinster Weise übel nehmen, dass sie mich mit 9
Jahren in Kur schickte. Sie konnte nicht ahnen, dass ich dort
einer Bestie über den Weg laufe. Aber es gibt Vorkommnisse
danach, die sind alles andere als in Ordnung.
Ich fragte mich schon seit langem, warum
sie damals nicht reagierte, als ich aus der Kur zurückkam. Ich
war vorher ein halbwegs normales Kind gewesen. Sicher, es gab
Probleme. Ich suchte oft die Einsamkeit. Ich war ein
verschlossenes Kind. Aber ich lachte trotzdem viel, freute mich
über vieles und war sehr hilfsbereit und freundlich zu allen.
Doch als ich zurückkam war ich anders. Ich war total
verschlossen, lachte kaum noch und war innerlich total wütend und
abweisend. Ich hatte jedes Vertrauen zu meinen Eltern verloren.
Und das muss sie bemerkt haben. Sie hat es ignoriert. Meine
Schwester hat mir dies übrigens bestätigt. Es sind also nicht
nur meine Erinnerungen. Neben den seelischen Folgen begann der SMB
sich auch körperlich auszuwirken. Mit 11 Jahren hatte ich meinen
ersten schlimmen Migräneanfall. Und damit begann mein Leidensweg.
Was ich aber nicht wusste war, dass meine Vater zu der Zeit
ungefähr anfing, sich von uns zu trennen. Er hielt es einfach
nicht mehr aus. Meine Mutter war einfach nicht dazu in der Lage,
Gefühle zu äußern. Wir Kinder haben so gut wie nie zu spüren
bekommen, dass sie uns liebte. Wir bekamen Essen, Kleidung und
unseren Schlafplatz. Aber die übliche Wärme fehlte. Die
Geborgenheit, die ein Kind benötigt, um normal aufzuwachsen
konnte sie nicht vermitteln. Hatten wir Sorgen oder Probleme
hörte sie uns kaum zu. Dies und vieles Anderes führte wohl dazu,
dass mein Vater so nicht mehr konnte. Etwas später muss er sich
wohl mit einer anderen Frau eingelassen haben.
Meine Mutter bekam das mit und nutzte nun meine
Migräne aus. Sie schleppte mich von Arzt zu Arzt. Ihr Sohn war ja
krank. sie stopfte mich voll mit Medikamenten der härtesten Art,
nur für Erwachsene geeignet. Der Arzt verschreib sie ihr und ich
nahm sie dann. Ich wusste es ja nicht besser und die Kopfschmerzen
waren ja auch schlimm. Daneben entwickelte ich dann auch noch
einen Haltungsschaden. Ich wurde zu einem
"Schwerkranken" abgestempelt. Und so eine Frau mit einem
so kranken Kind verlässt man nicht. Heute erst ist mir klar,
wieso sie immer so ungeduldig war, warum ich immer das Gefühl
hatte, dass sie mich regelrecht hinter sich her schleift. Ich war
nur Mittel zum Zweck. Ich hatte gefälligst zu funktionieren, also
krank zu sein ohne all zuviel Aufwand zu erzeugen. Auf ihr
Betreiben hin bekam ich mit ca. 12/13 ein Gipsbett verpasst. In
dem lag ich dann Nachts. Für tagsüber hatte ich ein Korsett. das
Gipsbett hatte ich bis ca. 15, das Korsett trug ich bis ca.
17.
Nach dem aber der kranke Sohn wohl nicht
ausreichte, erfand sie ein tödliche Krebserkrankung. Ich war ca.
14 Jahre alt. Mir wurde gesagt: Deine Mutter hat noch ca. 1 Jahr
zu leben, dann bist du Weise. Jeder Tag ist also ein Geschenk für
dich. Zu der zeit konnte ich schon nicht mehr weinen. Ich steckte
gerade mitten im 3. SMB. Aber ich war entsetzt. Innerlich war ich
total aufgewühlt. Meine Mutter würde sterben. Ich war doch gar
nicht soweit. Ich brauchte sie doch noch. Zu der Zeit beendete ich
gerade die Hauptschule und ging auf die Handelsschule. Sie lag oft
im Krankenhaus. Kein Wunder. Sie war ja todsterbenskrank. Also
morgens Schule, mittags ins KH, die schwerkranke Mutter besuchen,
nachmittags Haushalt, abends Schulaufgaben. Das war zu der zeit
mein Leben. Nur nach einem Jahr war sie immer noch da. Und sie war
keineswegs kränker. Letztes Jahr starb sie dann tatsächlich an
Krebs. Nur war das sehr viel später. Mein Bruder hat die
Krankenakten studiert. Ja, sie war krank. Aber keine Rede von
einer Lebensbedrohung. Eine Entzündung im Darm. Das hatte sie.
Aber keinen Krebs. Das hatte sie nur uns eingeredet. Alle die
Jahre über. Sie hatte uns offen angelogen. Damit ihr Mann, mein
Vater, bei ihr bleibt. Mich hat sie auch benutzt. Und angelogen.
Das erklärt mir vieles von ihrem späteren Verhalten. Es
war viel von dem Schuldbewusstsein mir gegenüber geprägt. Sie
hat mich vollgestopft mit Medikamenten, die mich auch hätten
umbringen können. Dass ich keinerlei Schäden davontrug, ist ein
Wunder. Sie hat mich zu einem kranken Menschen abgestempelt, hat
mich angelogen, nur um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Das war
ein klarer Missbrauch ihres eigen Sohnes. Ich habe es so in dem
Text geschrieben am Schluss: |