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Das Kind
(von bösen Eltern)


Sanft umfängt der Hauch des Lebens 
das Tun zweier Menschen,
erst zärtliche Berührungen,
dann heftiges Verlangen bestimmt ihr Denken,
ihre Körper erbeben,
streben dem Höhepunkt entgegen,
es entsteht ein neues Leben.

Neun Monate später,
nach viel Mühen und Schmerzen,
tritt in unsere, in ihre Mitte,
ein neuer kleiner Mensch,
erfreut kaum der Mutter Schoß entsprossen,
alle rundherum,
Vater, Mutter und auch die Ärzte,
die alte Hebamme meint sogar,
nie war ein Knabe schöner als dieser.

So schnell vergeht ein Jahr,
schon hat der Kleine die ersten Worte gebrabbelt,
seine Welt erobert durch viel krabbeln,
gar wonnig ist sein Lachen,
Freude verbreitet er auch bei anderen,
die Mutter ist so voller stolz,
der Vater glücklich wie nie zuvor.
Klein Pierre ist sein ganzer Stolz.

Das Zweite bringt viel neues ihm,
erobert er doch die Welt jetzt auf 2 Beinen,
kann schon Worte,
ja kleine ganze Sätze.
Sieht die Welt mit seinen kleinen Augen,
die mit dunklem, großem Blick versuchen zu ergründen,
was da wohl schönes sei.
Wenn er nun schon wüsste,
was da noch alles schlummert.

Im dritten Jahr wird’s immer interessanter,
hört man doch schon,
was da der große Mann zu der Mutter spricht,
mit lauter Stimme redet er auf sie ein,
nur versteht er den Sinn noch nicht,
ist er ja noch viel zu klein.
Unwirsch auf die Seite geschoben,
fängt der Kleine an zu weinen,
was den großen Mann sehr erzürnt,
den man Papa nennt.

Im vierten Jahr ist’s nicht mehr so lustig,
Papa streitet jetzt oft mit Mama und
riecht dann komisch aus dem Mund.
Nur weiß er jetzt schon genau,
Ruhe hilft hier am Besten,
dann wird man nicht bemerkt,
er zieht sich zurück in sein kleines Zimmer,
löscht das Licht 
und hofft dann immer,
dass man ihn vergisst.

Im fünften Jahr ist’s jetzt schon wieder besser,
im Kindergarten hat der Kleine Ruh,
lernt spielen mit den Andren,
kann toben und auch wieder lachen.
Nur abends ist er dann wieder zu Haus,
der Papa sieht dann oft seltsam aus,
und Mama ist auch so komisch,
lacht und weint in einem,
das Essen ist dann oft sehr mager,
macht ihm schon lange nichts mehr aus,
er will ja doch dann nur noch in sein Bettchen.

Im sechsten Jahr kommt dann die Schule,
neue Kameraden lernt er kennen,
darf aber nicht mit zu ihnen nach Haus,
darf niemand einladen,
muss sich richten nach der Eltern Vorschrift,
die keine verstehen kann.
Papa lacht zwar wieder,
aber richtig ist da was wohl nicht,
der Kleine ist ganz verschüchtert,
die Großeltern merken das aber nicht.
Keinem kann er's sagen.

Im siebten wird’s noch schlimmer,
seine Mutter sieht immer seltsamer aus,
des Nachts schreit sie hin und wieder,
am nächsten Morgen hat sie dann Flecken überall,
der Vater bleibt im Bett,
wartet wohl bis der dumme Sohn das Haus verlässt.
Mutter gibt dem jungen einen flüchtigen Kuss,
vergisst immer wieder das Pausenbrot,
aber auch daran ist er mittlerweile gewöhnt,
der kleine, schmale Hänfling,
den alle hänseln dürfen.

Im achten Jahr beginnt sein Leiden erst richtig,
die Großeltern taub auf beiden Ohren,
sehen und hören nichts,
der Enkel liegt nun schon wie so oft,
in seinem Bettchen weinend,
erst hat die Mutter ihn geschlagen,
dann der liebende Papa.
Ist ja viel bequemer,
als sich selber zu quälen,
wozu hat man einen Sohn,
der ja sonst zu nichts mehr nütze.

Nun kommt sein neuntes Jahr,
der Geburtstag war ein Desaster,
ein kleines Geschenk,
irgendwas zum Anziehen,
kein Ball, keine Eisenbahn, kein richtiger Kuss,
nur die Omama hat was Süßes mitgebracht,
das hatte dann gleich der Vater vernascht.
Ein paar Wochen später,
da hat zwar mal ein Lehrer nachgefragt,
woher die blauen Flecken kämen,
aber außer das der Vater wütend wurde 
und die Mutter ihn fast zusammenschlug,
passierte weiter nichts.

An einem dummen morgen,
mitten in den Ferien,
schauten ihn die Eltern mit wirren Blicken an,
er spürte schon die Schmerzen,
ehe was geschehen war.
Tränen rannen runter an seinen Wangen,
die Mutter hielt ihn fest,
der Vater schlug,
erst mit der Hand,
dann mit dem Gürtel.
Sie zogen ihn aus,
schlugen weiter auf ihn ein,
bis die kleine Seele auf zum Himmel floh.

Ihr meint nun sicher,
was schreibt der Kerl da nur?
Was fällt ihm ein?
Das macht doch kein Vater,
keine Mutter mit ihrer Lenden Frucht.
Und doch ist's gerade heute passiert,
nicht weit entfernt von mir.
Was soll ich von solchen Monstern halten?
Ich weiß es nicht mehr!
Gott, wenn es dich gibt,
nimm bitte den Kleinen an die Hand
und führe ihn in eine bessere Welt,
bitte!

11.8.2003

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Michael Sascha 
 

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